Vereinigte Schützenbruderschaften Heinsberg e.V.

Mitglied im Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften

08.02.2000 Heinsberger Zeitung

Bei Johann II. waren die Schützen recht raue Gesellen
Heinsberger starten ins Jubiläumsjahr

Wer hätte das gedacht? Heute durch die Verwurzlung in den Grundfesten, Glaube Sitte und Heimat, eine vorbildliche Vereinigung, die sich der Brauchtumspflege und dem Gemeinschaftssinn verschrieben hat, war die Geschichte der Heinsberger Schützen durch die Jahrhunderte hindurch keineswegs stets eine Rühmliche. Dies mußte gestern Morgen die Illustre Gästeschar erfahren, die sich aus Anlaß der beginnenden Jubiläumsfeierlichkeiten zum 600-jährigen Bestehen der Vereinigten Schützenbruderschaften St. Gangolfus und St. Johannes von Nepomuk in der Begegnungsstätte traf.

Nachdem Präsident Siegfried Jansen Schützen nebst zahlreicher Honoratioren aus Politik, Wirtschaft und Kletus begrüßt hatte, begab sich der geschichtskundige Willi Frenken auf einen Streifzug durch die Historie der Vereinigung die am 7. Februar 1400 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Vor genau 600 Jahren habe im Rittersaal der Burg der Herrn von Heinsberg die Geburtsstunde der Vereinigten Schützenbruderschaften Heinsberg geschlagen. Johann II. von Heinsberg habe damals 24 junge Männer der Stadt zu sich auf die Burg geladen, um mit Ihnen einen Vertrag auszuhandeln, aus welchem er als der eigentliche Nutznießer hervorgehen sollte. Die 24 Männer gelobten, ihm mit ihren “handtbuysen” (Bogen) und “armborsten” zu dienen, die Stadttore zu bewachen und ihn auf seinen Kriegs- und Raubzügen zu begleiten. Dafür schenkte ihnen Johann II. seine Gunst sowie die Beteiligung an der Kriegsbeute. Sie erhielten außerdem das Recht, in den Stadtteichen zu fischen und durften jedes Jahr vie Fuder Wein steuerfrei verzapfen. Ein Fuder, so erläuterte der Hobbyhistoriker Frenken, entsprach etwa 600 bis 1.900 Liter. Daneben erhielt jeder eine halbe Elle Tuch zur Anfertigung eines Wams mit Kapuze für den Sommer. Die Stadt gab dazu eine ganze Elle Tuch für die Winterkleidung.

“Unser Herr Johann”, wie ihn Frenken nannte, sei ein überaus streitbarer Zeitgenosse gewesen. Er entsprang einem alten Heinsberger Herrschergeschlecht, das über 300 Jahre die rheinische Geschichte mit beeinflusst habe. Er sei ein rauher Geselle gewesen, stets in Geldnot und in Fehden und Kriegen verwickelt, also ein echter Sohn seiner Zeit, der auch vor Gewalttaten und der Beraubung friedlicher Kaufleute nicht zurückschreckte.

Und die Heinsberger Schützen sollten bald am eigenen Leibe erfahren, auf was sie sich da eingelassen hatten. Denn schon fünf Monate nach Ihrer Vereidigung zogen sie an seiner Seite bei Monschau gegen den Abt von Stavelot zu Felde. 300 Krieger bezahlten dafür mit ihrem Leben, und unter den gefallen befanden sich auch viele Heinsberger. Gegen eine ansehnliche Geldsumme eilte er 1429 den Rat der Stadt Aachen zu Hilfe gegen die rebellischen Zünfte.

Jahann ließ es sich dabei nicht nehmen, einen biederen Zunftmeister persönlich den Kopf abzuschlagen. Ein Jahr zuvor waren Heinsberger Kriegsknechte in das Aachener Marienstift eingedrungen, um sich der Geldspenden zu bemächtigen, wobei der die Messe lesende Kanonikus am Altar getötet wurde. Das die Heinsberger Schützen letzlich dennoch unbeschadet durch die Zeit bestehen blieben sei wohl auf die “metaphysiche Basis” zurückzuführen, die sich später immer weiter herauskristalisierte meinte Ralf Heinrichs vom Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in seinem Grußwort. Der christliche Glaube habe sie alle Prüfungen bestehen lassen.

Damit dies auch weiter so gelinge, wünschte Bezirksbrudermeister Martin Nießen den Heinsberger Schützen “eine sichere Hand, um das Schiff durch die Wogen der Zeit zu steuern”.

Den Schützen wurde eine besondere Ehrung zuteil. Ralf Heinrichs überreichte Siegfried Jansen im Namen des Präsidiums der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften die “Hochmeisterplakette”.